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Röhrendes Geräusch

Flugplatzanwohner stören sich am Lärm des Springerflugzeugs / Ausnahmeregel seit 2010 unnötig.

Die Freiburger "Schutzgemeinschaft gegen Fluglärm" beklagt sich, dass die Fallschirmspringer mit ihrer Maschine immer häufiger für Lärmbelästigungen sorgen. Der Verein hat sich deshalb an die Flugplatz GmbH gewandt – und dabei erfahren, dass zeitliche Beschränkungen, die es früher einmal gab, aufgehoben wurden. Kurios: Beim Fallschirmsportverein ist die neue Regelung noch gar nicht angekommen – weshalb dieser auch verwundert über die Klagen der Fluglärmgegner ist.

 

Die "Schutzgemeinschaft gegen Fluglärm" ist empört: "Klammheimlich" habe die Flugplatz GmbH die zeitlichen Beschränkungen für die Fallschirmspringer aufgehoben, schreibt der Verein in einem Brief an die Gemeinderatsfraktionen. Das will die Interessengemeinschaft der Anwohner nicht hinnehmen: Schließlich sei das Flugzeug, das die Fallschirmspringer in die Luft bringt, besonders störend, erklärt Vorstandsmitglied Renate Mai: "Das hat ein extrem röhrendes Geräusch." Deshalb könnten alle Lärmgeplagten auch ganz genau die Maschine der Fallschirmspringer identifizieren: "Das hört man raus."

Bislang durften die Fallschirmspringer nur zu ganz bestimmten Zeiten starten: freitags von 15 bis 19.30 Uhr, samstags von 9 bis 13 und von 15 bis 19.30 Uhr und sonntags von 10 bis 13 und von 15 bis 19.30 Uhr. In den Wintermonaten verkürzte sich die Mittagspause auf 13 bis 14 Uhr, abends ging es maximal bis zum Sonnenuntergang. Diese Vereinbarung habe der Fallschirmsportverein mit dem Regierungspräsidium (RP) getroffen, erklärt Michael Broglin, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg GmbH (ASF) und seit Jahresbeginn an der Spitze der städtischen Flugplatz Freiburg-Breisgau GmbH.

Das RP ist Landesluftfahrtbehörde und bestätigt, dass es neue Regelungen gibt: Eine "Außenlandegenehmigung" für die Fallschirmspringer ist am 30. Juni ausgelaufen. Sie war ursprünglich Voraussetzung dafür, dass die Fallschirmspringer überhaupt am Flugplatz starten durften, werde jedoch nicht mehr benötigt, da der Flugplatz schon seit 2010 für die Fallschirmspringer generell zugelassen sei.

Auch die Absprungzeiten waren geregelt


In dieser Genehmigung waren jedoch auch die Absprungzeiten geregelt – was dem Fallschirmsportverein allerdings gar nicht klar ist. Auf Nachfrage der BZ berichtet Vorsitzender Helmut Lang-Dahlke zwar von der ausgelaufenen Außenlandegenehmigung, erklärt jedoch, dass dies nichts mit den Absprungzeiten zu tun habe. Deswegen könne er sich auch die Klagen der Schutzgemeinschaft nicht erklären: "Wir sind immer bestrebt, die Anwohner nicht zu stören." Dass die Maschine besonders laut sein soll, kann das RP nicht bestätigen – im Gegenteil: Sie erfülle erhöhte Schallschutzanforderungen.

Aber nicht nur die Freiburger Fallschirmspringer sind über der Stadt unterwegs: Auch Springer aus Bremgarten fliegen Richtung Freiburg. Dass sie für das Lärmproblem verantwortlich sein könnten, schließt der dortige Sprungplatzbetreiber Robin Schimmele jedoch aus: Die Flugzeuge aus Bremgarten flögen über Freiburg bereits so hoch, dass sie nicht mehr wahrnehmbar seien. Insgesamt ist am Freiburger Flugplatz inzwischen deutlich mehr los als früher: Die Zahl der Starts ist im Vergleich zu 2010 um 43 Prozent gestiegen (die BZ berichtete).

Für die Zukunft könnte sich das RP vorstellen, dass es wieder Beschränkungen für die Absprungzeiten der Springer gibt. Die Behörde will dazu mit der Flugplatz GmbH Gespräche führen. Sowieso könnte sich das Problem aber bald erledigt haben: Derzeit sehe es so aus, so Rathaussprecher Walter Preker, als ob die Fallschirmspringer in Freiburg nicht mehr starten könnten, sobald das neue SC-Stadion am Wolfswinkel fertig ist.