· 

Fliegende Oldtimer im Aufwind

Am südbadischen Flugplatz Bremgarten bei Freiburg ist ein Paradies für Liebhaber fliegender Oldtimer entstanden. Im Hangar von Meier-Motors werden seltene Flugzeugklassiker restauriert und Azubis zum Flugzeugbauer ausgebildet.

Bremgarten - Beim Betreten der Halle fühlt man sich ein bisschen wie der Entdecker einer Oldtimer-Schatztruhe. Nur dass hier statt Mercedes-Flügeltürer, Porsche 911 oder Ferrari eine Jungmann, eine Stearman oder Tiger Moth für leuchtende Augen sorgen.

 

Dabei handelt es sich um betagte Flugzeuge, die heute zu Klassikern der Luftfahrt gezählt werden – eine Jungmann des deutschen Flugzeugbauers Bücker beispielsweise, die Stearman aus der Frühzeit des US-Giganten Boeing oder eine Tiger Moth des britischen Traditionsherstellers de Havilland. Diese drei Doppeldecker und etliche weitere Oldies stehen verteilt in zwei großen Hangars am südbadischen Flugplatz Bremgarten in Eschbach, gut 30 Kilometer südlich von Freiburg. Und überall wird an den Klassikern geschraubt, repariert oder restauriert.

 

Um zu verstehen, wie es zu der Ansammlung fliegender Preziosen hier auf einem ehemaligen Militärflugplatz kommt, bedarf es einer Zeitreise. Ende der 1970er Jahre nimmt Adolf Meier, Landwirt aus einem kleinen Dorf bei Freiburg, seine beiden Söhne Elmar und Achim auf einen Rundflug im eigenen Flugzeug mit. Es ist kein normales Flugzeug, sondern ein selbst restaurierter Fieseler Storch. Also eines der berühmtesten Flugzeuge aus dem Deutschland der 1940er Jahre. Piloten schätzen es damals wie heute wegen seiner legendären Kurzstarteigenschaften.

Die Geschichte, wie der Landwirt zu dem Schmuckstück kam, ist fast unglaublich. Denn eigentlich sollte er im Auftrag seiner Mutter einen Traktor für das familieneigene Weingut bei einer Auktion der französischen Armee erwerben. Stattdessen kam er von der Versteigerung mit dem Fieseler Storch in Einzelteilen zurück nach Hause. Die perplexe Mutter wird damals mit der Ausrede beruhigt, dass man mit dem Storch in Zukunft die eigenen Reben aus der Luft besprühen könne. Der Klassiker wird in den nächsten Jahren in Eigenregie restauriert. Erst im Anschluss daran macht Adolf Meier seine Pilotenlizenz.

 

Viele Flugzeuge stammen aus dem zweiten Weltkrieg

 

Seine Söhne werden früh im Umgang mit einem Oldtimer geprägt. Achim wird Fluglehrer, Elmar Kfz-Mechanikermeister, beschäftigt sich aber bald mehr mit fliegenden Gefährten. Die Initialzündung für die Brüder, ihr Hobby später zum Beruf zu machen, kommt im Jahr 1992 mit dem Kauf des ersten Doppeldeckers vom Typ Boeing Stearman, Baujahr 1943. Dieser muss von ihnen umfangreich restauriert werden. Nach zwei Jahren harter Arbeit erstrahlt der Boeing-Klassiker wieder wie neu. Ab da sind die beiden mit dem Oldtimer-Virus infiziert.

Ende der Neunziger gelingt es ihnen zusammen mit einem Bekannten, ein Propellerflugzeug vom Typ North American T-6 aus den 1940er Jahren aufzutreiben. Ein Sternmotor mit 450 PS und die gute Kunstflugfähigkeit dieses US-Klassikers sorgen für Begeisterung. Wenige Jahre später wird eine russische Yak-11 angeschafft: 700 PS, Siebenzylinder-Sternmotor, fast 500 Stundenkilometer – im Vergleich zur T-6 ein Unterschied wie ein Porsche zum Käfer.

Die Qualitäten der Meier-Brüder sprechen sich schnell herum. 2006 hat die Flugwerft bei Freiburg, in der die Brüder mittlerweile arbeiten, so viele Kunden, dass sie dem Besitzer vorschlagen, neben der Wartung moderner Cessna- und Piper-Flugzeuge eine eigene Abteilung für Oldtimer- und Weltkriegsflugzeuge einzurichten. Der lehnt aber ab, weil er zu wenig Erfolgschancen sieht. „Wann, wenn nicht jetzt?“, sagen sich die beiden, mieten eine Halle und gründen im Oktober 2006 Meier-Motors.

 

Ausbildung wird bei Meier-Motors groß geschrieben

 

Besonders wichtig für Elmar Meier ist es bis heute, Arbeitsplätze zu schaffen und etwas Nachhaltiges entstehen zu lassen. Der Kontakt zum ehemaligen Arbeitgeber wenige Meter entfernt am Flugplatz bleibt weiter gut, man hilft sich gegenseitig mit Know-how aus. Wenig später folgt der Umzug an den Flugplatz Bremgarten, 30 Kilometer südlich von Freiburg. Dort sind nicht nur großzügigere Verhältnisse in der Werft vorhanden. Der ehemalige Militärflugplatz bietet mit seiner 1650 Meter langen Rollbahn auch mehr Raum für Start und Landung als der alte Standort. „Keiner von uns hätte 1996 gedacht, dass sich einmal in Deutschland eine solche Menge klassischer Flugzeuge am Himmel tummeln“, erzählt Achim Meier.

Im Team von Meier-Motors hat jeder seinen eigenen Bereich: Elmar Meier prüft die fliegenden Oldtimer, die oft im Kundenauftrag in der ganzen Welt gesucht werden, auf ihre Technik und mögliche versteckte Mängel. Der 50-Jährige leitet zudem die Werkstatt und kümmert sich um die Auszubildenden für den Beruf des Fluggerätmechanikers. Sein vier Jahre älterer Bruder Achim ist für die betriebswirtschaftliche Kalkulation und die Flugerprobung zuständig. Er fliegt auch mit potenziellen Kunden.

Dass sie in eine Marktlücke gestoßen sind, wird den Meiers rasch klar. Immer öfter werden Oldtimer bei ihnen zum Restaurieren oder zur Wartung abgegeben. Darunter sind zivile Klassiker wie die de Havilland Dove, aber auch Weltkriegsjäger wie die äußerst seltene Messerschmitt 109 oder die von deutschen Fliegern gefürchtete Supermarine Spitfire aus britischer Produktion.

 

Die Kundschaft wird immer internationaler

 

Die Kundschaft ist zunehmend international. Dass diese auf Dauer nicht mit einem so winzigen Team zufriedengestellt werden kann, wird immer deutlicher. Also fangen die Meiers an, eigenen Nachwuchs auszubilden. „Du musst Vertrauen in die jungen Menschen haben und sie auch mal machen lassen“, ist Elmar Meier überzeugt. Denn an teils über 70 Jahre alten Propellerflugzeugen zu schrauben ist etwas völlig anderes als das, was Flugzeugbauer etwa bei Airbus lernen. Mittlerweile sind bei Meier-Motors mehr als 20 Mitarbeiter, darunter sechs Azubis beschäftigt. Das Motto der Truppe: Traditionen, Handarbeit und Fertigkeiten der Vergangenheit mit Respekt wieder aufleben lassen. Etwas Nachhaltiges zu erhalten oder zu schaffen ist den Meiers wichtig.

Junge Menschen für nachhaltiges Handwerk zu begeistern sei ihm ein Herzensanliegen, sagt Elmar Meier. Eines sei aber auch klar: Einen Lebenstraum hätten auch er und sein Bruder sich erfüllt.

 

Quelle: Stuttgarter Nachrichten, 25.03.2016