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Kritik am Breisgauer Verein für Fallschirmsport wächst

Der Schutterner Ortschaftsrat fordert ein Sonntagsflugverbot, andere Ortschaftsräte ziehen nach. Offenbar sind die Freizeitsportler und ihre Maschinen nicht die Einzigen, die für den Lärm verantwortlich sind.

Im Tagesrhythmus erreichen Leserbriefe die Redaktion – verfasst von Anwohnern, die den Lärm nicht mehr aushalten. Für den noch jungen Verein in Lahr wäre ein Flugverbot am Sonntag das Aus.

 

"Seit einem Jahr sind die Fallschirmspringer da. Sie nutzen zweimotorige Propellermaschinen. Heute, 10.10 Uhr, Start. Weiträumige Kreisbewegung nach oben. 10.35 Uhr, Landung von zwei Fallschirmspringern. 10.40 Uhr, Landung der Maschine." Brunhard Grothe, aus Friesenheim, Anwohner. Er ist genervt vom "dauerhaft an- und abschwellenden Ton", schreibt er in seinem Brief an die BZ. "Während früher nach jeder Landung sofort wieder gestartet wurde, ist es heute seit der Landung, 10.40 Uhr, ruhig." "Zu früh gefreut, die Maschine ist wieder in der Luft, 11.05 Uhr." Sein Protokoll stammt vom vergangenen Sonntag, gesendet, 11.09 Uhr.

 

Schutterner, Friesenheimer und Lahrer ärgern sich über das wöchentlich wiederkehrende Surren. Das Problem ist mittlerweile auf den politischen Schreibtischen angekommen. Neurieds Bürgermeister Jochen Fischer hat Unverständnis gezeigt, Klagen gibt’s auch in Nonnenweier. Ende März wurde das Thema im Schutterner Ortschaftsrat diskutiert. Tenor: Schuttern will ein Sonntagsflugverbot. Dass das rechtlich schwer durchzusetzen sein wird, ist Ortsvorsteher Hans-Jürgen Kopf bewusst. "Der Verein verstößt gegen keine Gesetze. Persönlich passt mir das zwar nicht, aber eine Lösung gibt es nur auf dem Verhandlungsweg", sagt Kopf. Wie diese Lösung aussehen kann, ist allen Beteiligten bislang unklar (Kommentar).

 

Michael Erath reagiert mit Unverständnis auf die Kritik am Verein. Von Lärm will er nicht reden. Es sei wohl eine bestimmte Frequenz, die manche stört. Ein Surren, ein Brummen, aber kein Lärm. Seit 1997 leitet er den Lahrer Flugbetrieb. Über Lahr seien am Wochenende viele Flugzeuge, teilweise hörbar, teilweise nicht hörbar. "Man kann das nicht zuordnen, ob es der Fallschirmflieger ist, oder nicht." Wie viele Starts und Landungen es jedes Wochenende gibt, lässt sich nicht beziffern. 30, 50, zehn, 100 seien möglich. "Das ändert sich, bei gutem Wetter kommen alle Freizeitflieger von Freiburg, Bremgarten, Frankfurt, aus München, von überall her." Tendenz steigend.

 

Der normale Flugbetrieb sei erträglich, schreibt Brunhard Grothe, die 30 Minuten am Stück nerven. "Ich habe den Eindruck, dass diese Flugzeuge nicht nur von Fallschirmspringern genutzt werden, sondern auch anderen Zwecken dienen. Sie fliegen vielfach ohne Höhengewinn in Nord-Süd-Richtung hin und her. Ich vermute, dass hier eine Flugschule stattfindet, oder dass jemand Flugsstunden für seine Pilotenlizenz nachweisen muss."

Teilweise stimmt das, nur gibt es in Lahr selbst keine Flugschule. Freiburg und Mannheim haben Flugschulen, erklärt Erath. "Sie fliegen die Nord-Süd-Achse. Aber das können wir nicht beeinflussen." Nur Start- und Landebewegungen werden am Lahrer Flughafen erfasst. Bis 5000 Fuß Höhe seien die Piloten nicht meldepflichtig, erklärt Erath.

 

Die Kritik richtet sich aktuell vor allem gegen den Fallschirmsprungverein. 2017 sind die Breisgauer Fallschirmspringer auf den Lahrer Flugplatz gezogen. Vorher waren sie in Freiburg. Rund 150.000 Euro hat der Verein in das neue Vereinsheim investiert. Die zunehmende Kritik bereitet der Vorsitzenden Anita Huck Sorgen. Im vergangenen Jahr seien ihr einige Beschwerden über das Regierungspräsidium übermittelt worden. Anonym. "Ich habe Verständnis dafür, dass sich manche Anwohner von dem Lärm gestört fühlen", sagt Huck. Noch ist viel im Aufbau. Der Verein hat bereits angekündigt, 2019 für den Flieger einen neuen Propeller anschaffen zu wollen. Das Geld dafür fehlt noch.

Der Verein und Verantwortliche beim Lahrer Flugbetrieb diskutieren aktuell, an welchen Schrauben gedreht werden kann. Spielraum gibt es bei den Flugrouten. Vereinbart ist, dass die Maschine Richtung Offenburg startet, nach Osten abdreht, über dem Wald an Höhe gewinnt und dann zurücksteuert Richtung Absprungzone. An diesem Punkt sei das Flugzeug bereits auf rund 4000 Metern Höhe, erklärt Huck. Dass jemand 30 Minuten am Stück Lärm von einer, nämlich ihrer, Maschine hört, schließt sie aus.

Huck räumt aber ein, dass es von der Flugroute Abweichungen geben kann. Michael Erath bestätigt das. Die Flugrouten werden von der Flugsicherung in Straßburg gesteuert. "Wenn die sagen, hier oder da steigt ihr, muss sich der Pilot danach richten. Auch wenn er es nicht will", erklärt er. Gespräche dazu laufen bereits, "wenn die Flugsicherung das Problem einsieht, werden sie gern mithelfen, es zu beheben".

Derweil gehen die Gespräche aller Beteiligten weiter. Markus Ibert ist Teil der Runde. Er ist Geschäftsführer des Industrie- und Gewerbezentrums Raum Lahr (IGZ). "Wir sind mit der Situation, wie sie ist, nicht zufrieden", sagt Ibert. Zwar mache der Verein nichts Rechtswidriges. Er richtet aber den klaren Appell an sie, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um das Problem zu beheben. Bis dahin ist seine Bitte, dass der Verein am Sonntagmittag eine Pause einlegt. "Wir wollen nicht, dass aufgrund dieses Themas das Fliegen in Lahr weiter kritisiert wird", ergänzt Ibert.

Ein generelles Flugverbot am Sonntag wäre das Aus für den Verein, sagt Anita Huck. Aber nicht nur das. Der Verlust dadurch wäre auch für den Lahrer Flughafen einschneidend, erklärt Erath. Der Verein will zukünftig Angebote schaffen, um mit der Bevölkerung in einen Austausch zu kommen. "Wir wollen, dass die Leute zu uns kommen und mit uns reden. Wir wollen ein Verein zum Anfassen werden", sagt denn auch Anita Huck.

 

Quelle: Badische Zeitung: 20.04.2018