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Ist das Alter der Maschine schuld am Crash?

In Graubünden ist ein Flugzeug der Ju-Air abgestürzt. Ein Experte sagt, ob ein Kabel, die Hitze oder ein Motorenausfall der Grund sein könnten.

Wie viele Verletzte und Tote gibt es?

 

Alle 20 Insassen des Flugzeugs sind ums Leben gekommen.

 

Bei den Opfern handelt es sich um acht Paare und vier Einzelpersonen. Es sind 11 Männer und 9 Frauen aus den Kantonen Zürich, Thurgau, Luzern, Schwyz, Zug und Waadt und ein Paar mit Sohn aus Österreich. Auch 3 Besatzungsmitglieder aus den Kantonen Zürich und Thurgau kamen ums Leben.

 

Wer waren die Piloten?

 

«Die Flugzeuge werden ausschliesslich von sehr erfahrenen Piloten geflogen», sagt Kurt Waldmeier, CEO der Ju-Air. Gestern sei ein 61-jähriger Kapitän unterwegs gewesen, der seit 30 Jahren Linienpilot bei der Swiss sei und zuletzt Airbus A330 geflogen habe. Seit 2004 habe er regelmässig Ju-52 geflogen. Der zweite Kapitän war 62 Jahre alt und zuvor 30 Jahre Linienpilot bei Swissair, Swiss und Edelweiss und flog A330 und A340.

 

Auf was für einem Flug war die JU-52 unterwegs?

 

Die Passagiere waren auf der «Erlebnisreise Locarno» unterwegs. Am Freitagmorgen flogen sie von Dübendorf nach Locarno, genossen in Meride ein traditionelles Mittagessen und kehrten dann nach Locarno zurück. Am Samstag folgte eine Schiffahrt nach Porlezza und des Besuch des Samstags-Marktes. Nach der Verpflegung im Grotto stand die Rückreise an. Um 17 Uhr hätte die «Tante Ju» wieder in Dübendorf landen sollen, doch dort kam sie nie an. Die Opfer sind zwischen 42 und 84 Jahre alt. Bis auf eine Person konnten alle Angehörigen informiert werden.

 

Was ist der Grund für den Crash?

 

Das ist noch nicht bekannt. «Es sind uns keine technischen Probleme an diesem Flugzeug bekannt», sagt CEO Waldmeier. Ersten Erkenntnissen zufolge stürzte die Maschine wie ein Stein vom Himmel. Aus dem Trümmerbild sei zu entnehmen, dass sie «nahezu senkrecht und mit relativ hoher Geschwindigkeit auf den Boden geprallt ist», sagte Daniel Knecht von der Behörde für Flugunfalluntersuchungen (Sust) am Sonntag in Flims an der Medienkonferenz. Die Ursache dafür sei noch unklar und werde nun untersucht, sagte er. Der «Aviation Herald» berichtet von einer Infomeldung an Piloten («Notice to Airmen», NOTAM), die vor einem erst am Freitag errichteten Kabel nahe der Unfallstelle warnt. Das Kabel liegt demnach 2,4 Kilometer südlich und rund 300 Höhenmeter tiefer als die Absturzstelle. Laut Aviatikexperte Max Ungricht prüfen die Piloten diese NOTAM-Meldungen jedoch gründlich: «Das gehört zu jeder seriösen Flugvorbereitung, die Piloten waren wohl über das Kabel informiert.» Zudem würden Flugzeuge ohne Not nicht so tief fliegen. «Kabel sind eher für Helikopter ein Problem.» Ausserdem sei der Höhenunterschied recht gross. «Eine Kausalität ist hier unwahrscheinlich», sagt Ungricht.

 

Spielte die Hitze eine Rolle?

 

Laut Ungricht ist die Manövrierfähigkeit bei Hitze eingeschränkt. «Die Luft ist dünner, darum kann ein Flugzeug weniger schnell steigen und der Kurvenradius ist grösser», so Ungricht. «Die Leistungsunterschiede sind massiv. Gerade Piloten von Kleinflugzeugen unterschätzen diese häufig.Um den Leistungsverlust zu kompensieren, muss das Gewicht der Zuladung reduziert werden.» Gerade in der letzten Woche, während der Hitzewelle, habe es zwei Vorfälle mit Kleinflugzeugen gegeben, die ihn an diese Gefahr erinnert hätten. «Die Piloten der JU-52 war erfahren, und können die Leistungsverluste per Tabelle berechnen, wenn sie ihre Route planen. Doch es sind auch nur Menschen, die unter der Hitze leiden wie wir alle. Dies gilt besonders in Cockpits ohne Klimaanlage.»

 

Könnte das Alter der Maschine am Unfall schuld sein?

 

Die Unfallmaschine war seit 1939 für die Luftwaffe im Einsatz und seit 1985 für die Ju-Air. «Die Maschinen werden gut gewartet, und es sind sehr stabile und zuverlässige Flugzeuge.» sagt Experte Ungricht. «Dennoch sind es Oldtimer, bei denen vielleicht ein Motor der Belastung nicht mehr standgehalten hat. Ein Motorenausfall kann zu einer asymmetrischen Fluglage führen, die unter solchen Umständen noch schwieriger zu handeln ist.» Laut der «NZZ» hatte die Oldtimer-Maschine zudem keine Blackbox. Für die Untersuchung des Unfalls seien darum Augenzeugen und Wrackteile wichtig.#

 

Was heisst der Crash nun für die Zukunft der «Tante Ju»?

 

Das Air Force Center Dübendorf hat seinen Flugbetrieb vorerst eingestellt. Laut «Blick» trauerten gestern Abend bereits Angehörige, welche die Fluggäste in Dübendorf abholen wollten. «Das ist für die Angehörigen natürlich eine schlimme Tragödie, man kann sich die Trauer kaum vorstellen», so Ungricht. Auch für die Mitarbeiter des Air Force Center sei es schlimm: «Viele Leute arbeiten dort ehrenamtlich, und stecken viel Herzblut in die Oldtimer-Fliegerei, wollen den Leuten eine Freude bereiten. Was nun passiert ist, wird auch bei ihnen Spuren hinterlassen.»

 

Quelle: 20min.ch, 05.08.2018