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Leiser fliegen über dem Gewerbepark Breisgau

Freizeitsport oder Lärmbelästigung? Beim Thema Fliegen auf dem Sonderlandeplatz Bremgarten gehen die Meinungen weit auseinander zwischen dem Gewerbepark Breisgau und manchen Anwohnern.

Um ihren Standpunkt zu verdeutlichen, luden kürzlich der Verbandsvorsitzende Joachim Schuster, Bürgermeister von Neuenburg, und Markus Riesterer, der Verbandsdirektor des Zweckverbands Gewerbepark Breisgau, zu einem Pressegespräch ein.

 

Zahlen sollen weniger Lärm belegen


Riesterer ist als Geschäftsführer der Gewerbepark Breisgau GmbH auch Herr über die 300 Hektar des Sonderlandeplatzes Bremgarten, die zu 70 Prozent Naturschutz- und zu 30 Prozent Landschaftsschutzgebiet sind. Fliegen und Heuproduktion – so beschrieb er die zwei Hauptaktivitäten des Flugplatzes, und er konnte mit Zahlen aufwarten, die die Lärmreduzierung belegten: Starts und Landungen am Flugplatz seien von 40 000 im Jahr 2013 auf 29 400 im vergangenen Jahr zurückgegangen; die Tendenz zeige im Jahr 2019 mit etwa 27 000 erwarteten Flugbewegungen weiter nach unten.

Er wolle keinen Flugtourismus in Bremgarten, sagte Riesterer, deshalb seien auch die Start- und Landegebühren erhöht worden. Man liege mit den Gebühren sicher im oberen Drittel aller Plätze in Baden-Württemberg. Wer ein Lärmschutzzeugnis für seine Maschine vorlegen könne, bekomme einen Rabatt auf die Gebühren, und am Wochenende gälten höhere Gebühren als unter der Woche.

Die flugaffinen Betriebe wie Flugzeugwerften und Flugschulen, die sich hier angesiedelt haben, hätten eine Bestandsgarantie, sagte er. Mehr würden nicht zugelassen. So habe der Park kürzlich ein Gelände zurückkaufen können, auf dem sich ein Gyrocopter-Flugbetrieb niederlassen wollte. Diese "fliegenden Rasenmäher", wie sie wegen ihres durchdringenden Motorgeräuschs genannt werden, haben sich fast völlig vom Platz zurückgezogen.

Bleiben die Fallschirmspringer und die Kritik an ihrem mit Lärm verbundenen Hobby. Tatsache ist, dass die Springer quasi seit Beginn der privaten Luftfahrt in Bremgarten beheimatet sind. Am 16. Januar 1997 trat nach Abzug der letzten Bundeswehr-Maschinen die nicht-befristete Flugplatzgenehmigung in Kraft. Die beinhaltet, dass – neben Flugzeugen mit bis 20 Tonnen Gewicht, Hubschraubern, Motorseglern, Segelflugzeugen, Freiluftballons und Luftschiffen – auch der Einsatz von Personenfallschirmen erlaubt ist.

Genehmigt wurde damals ein Flugbetrieb von 30 Minuten vor Sonnenaufgang bis 30 Minuten nach Sonnenuntergang, das würde im Sommer eine Zeit zwischen circa 5 und 22 Uhr bedeuten. Es gelten Einschränkungen: Privatmaschinen dürfen montags bis freitags nur noch von 9.30 bis längstens 20 Uhr starten und landen, an Wochenenden von 9.30 bis 19 Uhr, minus jeweils eine Stunde Pause am frühen Nachmittag. Für das Flugzeug der Fallschirmspringer gelten noch kürzere Zeiten: montags bis freitags 9.30 bis 19 Uhr; an Wochenenden von 10 bis 17 Uhr, auch mit einer Stunde Pause.

Fallschirmspringer fühlen sich eingeschränkt


Die Fallschirmspringer fühlen sich stark eingeschränkt und würden gerne länger fliegen. Daher nahmen sich einen Anwalt für ihre Interessenvertretung und stellten bei einem Gespräch mit der Landtagsabgeordneten Bärbl Mielich (Grüne) im Juli 2019 dem Gewerbepark Bedingungen: Ein leiseres Flugzeug werde man nur anschaffen, wenn man eine Fluggarantie auf fünf Jahre und erweiterte Flugzeiten garantiert bekomme. Man könne leiser fliegen, aber ein neuer Motor koste 650 000 Euro, die der Springerverein nicht verdienen könne, wenn es bei den eingeschränkten Öffnungszeiten bliebe.

"Vielleicht zwei dB(A) leiser, aber dafür viel länger laut – das verschlechtert die Situation ja noch" – die Flugplatzkritiker der Initiative Aflig (Anti-Flug-Lärm-Interessen-Gemeinschaft) erwarten keine Entlastung durch das Ansinnen der Fallschirmspringer. Sie bilanzieren allgemein, dass es mit den 29 400 Starts und Landungen im Jahr 2018 immer noch durchschnittlich 80 Flugbewegungen pro Tag gegeben habe. Nehme man die Hauptflugmonate März bis Oktober, seien es im Schnitt täglich 120 Bewegungen. Jedoch sei die "Spaßfliegerei" aufs Wochenende konzentriert. In Bremgarten würden etwa 70 Prozent der Flugbewegungen an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen absolviert, wenn das Ruhebedürfnis der Anwohner am größten sei.

Joachim Schuster kann die Bewohner der umliegenden Gemeinden verstehen. Er sehe ein, dass sie ein Recht auf Ruhe hätten. "Aber wir brauchen Akzeptanz für den Flughafen, und wir wollen Akzeptanz." Deswegen erwarte er eine weniger harte Haltung der Fallschirmspringer. "Wir werden darauf bestehen, dass sie eine leise Maschine anschaffen." Er habe auf entsprechende schriftliche Bitten noch keine Antwort erhalten, erwarte aber, dass die Springer einen Beitrag zur Akzeptanz des Flughafens leisteten.

Markus Riesterer betonte, dass Behörden des Landes und des Regierungspräsidiums die Startzeiten der Springermaschine überprüft hätten und es keinerlei Beanstandungen gegeben habe. Er wies darauf hin, dass das Flugzeug um 16.59 Uhr noch aufsteigen dürfe und dann noch länger deutlich zu hören sei. Der Zweckverband habe nicht die Absicht, so Schuster, den Flugplatz zu schließen, er sei schließlich ein Alleinstellungsmerkmal des Gewerbeparks. Ziel sei, einen Interessensausgleich herzustellen.

 

Quelle: Badische Zeitung, 27.10.2019